100 Jahre Bella Donner

// 24. Juni 2010

“Io sono Giulietta”, haucht die US-Schauspielerin Uma Thurman im neuen Alfa Romeo Giulietta-Werbespot zart-erotisch in die italienische Nacht. Dieser Akt steht zwar in keinem Verhältnis zu ihrer mittlerweile Kultstatus besitzenden Tanz-Performance in Pulp Ficton, aber durchaus gereift, elegant und somit bestens geeignet um 100 Jahre Alfa Romeo (in diesem Fall die Premiere des neuen Sprösslings Giulietta) gebührend zu zelebrieren. Als die blonde Uma 1970 in Boston das Licht der Welt erblickte, rollten die ersten Alfa Romeo Montreal-Sportcoupes mit herrlich achtzylindrigen Orchestern, die von vier oben liegenden Nockenwellen dirigiert wurden, vom Werksband. Rückblickend ein gewagter wie genialer Wurf, den die Carrozzeria Bertone für die Mailänder manifestieren durfte.

Was ist in den 100 Jahren Firmen- & Automobilgeschichte nicht alles passiert. Alfa dominiert den Rennsport in den Vorkriegsjahren. Die Mille Miglia gewann zwischen 1928 und 1938 mit einer einzigen Ausnahme (1931) stets Alfa Romeo. Vier Siege en suite (1931-34) bei den 24-Stunden von Le Mans und die erste Formel-1 Weltmeisterschaft 1950 wurde überhaupt gleich ein 3-fach Total-Triumph, angeführt von Giuiseppe Farina und Juan-Manuel Fangio. Viel später, in den 70er, aber v.a. 80er-Jahren ist es im Motorsport ruhiger geworden. Die Produktpalettenstrategie der “Casa del Biscione” hingegen liest sich wie eine Anleitung zum nachhaltigen Markendesaster. Der “Alfa des Südens” (Alfasud), der im Werk bei Neapel mit Blechen gefertigt wird, die schon im Freien vorrosten dürfen, wird gar noch getopt von der desaströsen Idee, die Aura eines Alfas mit jener eines Nissan Cherry zu kreuzen. Nichts gegen die Japaner, aber niemand kombiniert zart-flaumige Panna Cotta mit würziger Billig-Soja-Sauce aus dem Supermarkt. Das Ergebnis markiert bis heute den absoluten Tiefpunkt der Marke und nennt sich Arna. Daraus resultiert ein Imageschaden von dem sich Alfa Romeo meiner Meinung nach (außerhalb Italiens) bis heute noch nicht ganz erholt hat. Und das schmerzt!

Aber heute ist die Welt wieder in Ordnung. Alfa Romeo feiert auf den Tag genau ein Jahrhundert Firmengeschichte und seit Wochen bleibt bei den emotions- & jubiläumsgetriebenen Alfisti zwischen München, Verona und Neapel kein Auge mehr trocken. Das deutsche Oldtimer-Magazin “Motor-Klassik” bringt es in der aktuellen Ausgabe auf den Punkt: “Der Besitz eines Alfa Romeo ist eine Liebeserklärung und eine respektvolle Verbeugung vor der 100-jährigen Firmengeschichte”. Jawohl. Und auch am Ende des Giulietta-Werbespots subsummiert sich das edel Gefilmte in der klaren wie emotionalen Botschaft “Senza cuore saremmo solo macchine” (kurz: Ohne Herz/Emotion wären wir nur Autos)… und das sollte sich jeder Alfa-Entwicklungsingenieur für die nächsten 100 Jahre über den Arbeitsplatz hängen, damit die hirnlosen Taten der 80er ganz sicher keine Wiederholung mehr finden.

Alfa RomeoIch selbst bin dem Alfa-Virus in der späten Kindheit erlegen, hab ihn aber vermutlich sogar genetisch vom Vater geerbt, der sich seinerseits aus den unterschiedlichsten Gründen den Wunsch nach Alfa-Besitztum leider nie erfüllen konnte und sein Karma damit in meine Wiege legte. Jede “Auto-Bild”, die ein neues Mailänder-Modell illustrierte, wurde verschlungen, die raren Blicke auf den GTV der späten 80er-Jahre versüßten mir die Pubertät und vernetzten meine Synapsen endgültig mit der Markenaura aus Arese. Anfang der 90er dominierte Alfa mit Larini & Nanini die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft und läßt mich auf ein grandioses Le Mans-Comeback hoffen, das bis heute leider ausbleibt.

Bis 2007 mußte ich mich gedulden, ehe ich einen Alfa Romeo mein eigen nennen durfte. Sie ist die zweite große Liebe meines Lebens und trägt den Namen Giulia Super. Unsere persönliche Kennenlernstory gibt es hier.

Mit einer Hommage an den schönsten “Bella Donner” aller Zeiten (siehe Video unten) sag ich abschließend “Happy Birthday Alfa Romeo”!




Beitrag auf Facebook kommentieren



Hinterlassen Sie einen Kommentar