Am Schauplatz. Im HOKO.

// 3. Juni 2014

image Halbzeit. War am Feiertag. Christi Himmelfahrt. Donnerstag, 29. Mai 2014. Nach 15 Tagen Kunst, Küche, Kurator, Kapazunder in Kleinkirchheim. Ich hingegen mit Familie zeitgleich in Grado, um mit herrlich am Punkt gegrillter Goldbrasse endlich den Frühsommer einzuläuten. Ist ja nur 1 Stunde 4o Minuten Fahrzeit. In St. Oswald (ob Kleinkirchheim) biegen AO& in die zweite Spielhälfte des dreißigtägigen Bühnenstücks namens “Hotel Konkurrenz” (powered by nock/art) ein und das stimmt mich traurig. Genau deshalb. Weil ich zweifle.

Freitag, 30. Mai. Ich sitze mit ca. 30 kunstinteressierten (liberal-intelektuellen) Menschen im Vortragsraum der Liegenschaft “Hotel St. Oswald” im Schartenweg 5 und Kurator Edelbert Köb stellt wortgewandt, stilsicher und symphatisch seinen Gesprächspartner Hans Schabus vor, der – soweit hab ich mich nämlich vorbereitet – Österreich 2005 bei der Biennale in Venedig vertreten hat. Im Hintergrund bei den aufmerksamen Zuhörern u.a. Franz Schellhorn, der interessiert wirkt, dann aber doch mit dem Nachwuchs die Terrasse bevorzugen muss. Gutes Publikum, denk ich mir. Hinter Köb tut sich zeitgleich ein wirklich sagenhaftes Nockberge-Sonnenuntergangs-Schattenspiel-Panorama auf. Als fast schon kitschige Großwandtapete beschert die heimische Naturkulisse dieser Zusammenkunft einen würdigen Background. Aber wo sind die Einheimischen, die Hoteliers, die Jungen, die den Karren in die Zukunft schleppen dürfen, die Kritischen, die Volksvertreter? Okay es ist Fenstertag, aber trotzdem sitze ich ziemlich allein gelassen zwischen Wienern, Klagenfurtern, Oberösterreichern und süddeutschen Menschen, die Bad Kleinkirchheim auf ihrer Reiselandkarte als “Hotspot” verortet haben.

Hotel-Konkurrenz-_-Bad-Kleinkirchheim-©eSeL.at_Heute bin ich mir nicht sicher, was wir daraus machen (können). Das Hotel steht ab 19. Juni wieder im Normalbetrieb. Ohne Rachinger, de Bruyn und AO&. Stammgäste haben eben immer noch “ihre” Erwartungen, die erfüllt werden müssen. 700 Bilder, die wieder an ihren Platz möchten. Wie die Eigentümer- bzw. die Betreiberfamilie damit umgeht, wissen wir eh noch nicht, was aber bleibt an der Dorfseele hängen? Ist nock/art bald das erhoffte touristische Leitprodukt im Rahmen der Neupositionierung der Marke oder doch eher nach innen gewandte Identitätsverhandlung mit der Dorfgemeinschaft. “Schuster, bleib bei deinen Leisten”, denk ich mir in diesem Augenblick, während Schabus seine Auseinandersetzung mit dem “21er Haus” wiedergibt. Kunst ist ja einfach so wie sie ist, aber kann der Tourismus damit überhaupt umgehen?

(unteres Bild – Fotocredit (c) Lorenz Seidler, eSeL)




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3 Kommentare zu “Am Schauplatz. Im HOKO.”

  1. Franz Schellhorn sagt:

    Sind Sie sicher, dass es sich um ein liberal-intellektuelles Publikum handelte? Am zweiten Attribut zweifle ich ja nicht.. Leider konnte ich das Gespräch nicht hören, aber unser Einjähriger wollte nicht so recht. Während der Dreijährige dauernd fragte, warum wir eigentlich in diesem Raum sein müssen. Gar nicht so einfach.

  2. Okay, da bin ich wohl zu sehr vom Klischee und der Segmentierung der Sinus-Millieus ausgegangen… ich war mit meinen Gedanken ab und an wirklich mehr “draußen” und habe eben im Augenwinkel bemerkt, dass “die Jugend” die Frischluft bevorzugte ;-). Kann ich nachempfinden – meine sind 4 und 11 Monate.

  3. Oliver Strasser sagt:

    Egal was aus einem Haus wie diesem nach einem einzigartigen Projekt wie eures es ist wird, wenn auch den Besitzern zu wünschen wäre das eine oder andere Detail zu übernehmen – einfach weil ich es interessant finde den Gast von heute nicht künstlich zu verhätscheln (ohne das dem Management/Personal des Hotel St. Oswald vorwerfen zu wollen!), egal auch wo die Jugend oder Einheimischen am Fenstertag waren (blöd nur wenn die gar nicht kommen würden) mit dem Dekaden-Projekt nock/art generell und mit dem 30Tage-Projekt ‘Hotel Konkurrenz’ speziell hinterlassen alle Beteiligten genügend Zünd- und Gesprächstoff für zukünftige Ideen in der Region Bad Kleinkirchheim. Ich gratuliere jedenfalls und würde mir ein derartiges Projekt auch im Raum Salzburg wünschen!

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