Mein persönliches Gedanken-Ratatouille zur Wirkung und Bedeutung des Schlager- und Merchandisingstars Hansi Hinterseer als Nächtigungsmessias für die Gamsstadt. Angefangen hat es so. Katharina Zierl schreibt am 24.8. in der Tiroler Tageszeitung erstmals über die unsichere Zukunft der Hinterseer-Tage in Kitzbühel (Anmerkung: Fanwanderung, zwei Konzerte im Tennisstadion und einiges mehr mit bis zu 12.000 Personen), da der von massenhaft deutschen Hausfrauen wie ein ewig blonder Messias verehrte Schlagersänger einfach mehr Geld will. Kurz gesagt: Anstatt € 350.000,-, die Herr H. und sein sommerliches Eventspektakel dem TVB Kitzbühel schon jetzt wert waren, gar € 500.000,-. Das wäre eine Steigerung von circa 43% und damit etwas mehr als knapp oberhalb einer gut gemeinten Indexanpassung in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Aber das ist sein gutes Recht. Denn der blonde Star ist schon seit langem zu einer Marke gereift und diese Begehrlichkeit brachte der “Servus Hansi Hinterseer GmbH” 2009 immerhin einen Bilanzgewinn in der Höhe von € 1,8 Millionen, wie der Trend in der Ausgabe 08/2011 im lesenswerten Special “Die neue Landlust” berichtete.
Interessanter als die eben geschilderten (wirtschaftlichen) Fakten, sind jetzt – mit ein paar Tagen Abstand zum Ereignis – aber aus meiner Sicht folgende zwei Fragen. 1.) Darf der Hansi H. derartige Forderungen stellen oder ist sein Verhalten schlicht unverschämt? Und 2.) Wie viel darf/sollte ein Tourismusverband (oder eine ähnliche Organisationsstruktur) einem (funktionierenden) Testimonial zahlen?
1.) Herr Hinterseer ist eine Marke (oder gibt es da Zweifler?) und Marken sind oft sauteuer! Auch definieren sie sich über einen immateriellen Wert, der je nach Begehrlichkeitsintensität etwas bis weit über dem rationalen, leicht meßbaren Preis-Leistungsverhältnis liegt. Also, die Forderung nach mehr Kohle ist nicht unverschämt sondern berechtigt. Die Fan-Woche soll der Region lt. Tiroler Tageszeitung zusätzlich 50.000 Nächtigungen und ca. € 3 Millionen an direkter Wertschöpfung bringen, d.h. der ROI (für die von Hansi H. geforderten € 500.000,-) ist garantiert gegeben.
2.) Nachdem sich mit TVB-Obmann Christian Harisch, Bürgermeister Klaus Winkler und Tourismusdirektor Peter Marko eine stimmgewaltige Allianz quasi unisono für den Erhalt des Spektakels einsetzt, kann der Ausgang der Verhandlungen schon vorweg genommen werden. Andererseits würde ein derartiges, v.a. wenn zu schnelles Verhandlungsergebnis das Kräfteverhältnis zu gunsten des Superstars verschieben und die regionale Tourismuswirtschaft müßte sich für die kommenden Jahren wirklich eine Schmerzgrenze definieren, die hält. Ein Blick über den Kitzbühler Tellerrand zeigt aber auch, dass Tourismusdestinationen “ihr Logo” mitunter gern auf dem Kopf des lokalen Sporthelden sehen. Egal ob Wintersportler oder Golfer, da trifft das Sponsoringakquisegeschick der Jungathleten oder deren Manager auf das (schlechte) Gewissen von Gemeindepolitikern. Und deshalb funktioniert es auch. Oder anders gefragt? Wie hoch ist die direkte Wertschöpfung, wenn das Logo vom Skihelm lacht?
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Ja natürlich – Darf Hansi Hinterseer verlangen, was er will, denn das ist sein Job.
Eine andere Frage ist, ob eine exclusive Marke will Kitzbühel, das jahrelang an einer Markeentwicklung arbeitet und sich als exclusive Marke betrachtet, damit Signale für ein Upgrading der Marke setzt oder eher ein downgrading betreibt. Stellen Sie sich vor, der Markenverantwortliche für die S-Klasse würde Ihn bei der Präsentation des neuen Modells singen lassen.
Für 500.000 Euro gibts wahrscheinlich schon die eine oder andere Variante, die auch ON-Strategie ist, allerdings nicht in Kitzbühel beheimatet sein wird.