Elektronisches Kartenspiel (1)

// 28. März 2011

Die Falschspieler (Gemälde aus Wikipedia)Pokern unter Strom? Black Jack digital reloaded oder gar Siebzehn und Vier 2.0? Nein, hier dreht es sich nicht um das gesellschaftliche Kartenspiel, sondern um das Projekt einer elektronischen Gäste- bzw. Destinationscard. In meinem letzten Blogpost habe ich ja 3 Bereiche/Thesen skizziert, auf die sich – meiner Meinung nach – Destinationsmanager in ihrem Wirken konzentrieren sollten (zum Nachlesen bitte hier klicken). Und auch wenn ein derartiger Datenträger und Identifikationsschein (des Gastes) gar nicht neu, oder besser noch, so alt wie die analoge Gästemeldung selbst ist, möchte ich doch einen fluoreszierenden Blick auf Hintergründe, Motivation, Initiierungsprozesse und möglicherweise auftretendes Desinteresse werfen. Oder: Ein Plädoyer auf den Barcode.

Zurück zu meinen 3 Thesen. Eine davon lautete (in verkürzter Form): Innovations- & Qualitätsmanagement bzw. “Initiativen, die den Kern des touristischen Angebots treffen”. Die Gästekarte. Vom Kartonblatt mit färbigem Durchschlag über weniger erfolgreiche (weil kaum finanzierbare) RFID-Karten, bis zum (magischen) Schlüssel für die notwendige Abkehr der Kaffeesudleserei in der touristischen Angebotsentwicklung: Die Barcode-Karte, mit der Gästebedürfnisse und -konsumationen zwar gläserner werden, uns aber – also jenen Personen, die das Destinationskonglomerat mit unterschiedlichen Stakeholder-Interests, durch die raue, internationale Tourismus-Hochsee steuern – endlich Fakten für intelligente Angebotsentwicklung in die Hand liefern.

Bad Kleinkirchheim Card SommerEinfacher gesagt: Was in vielen Branchen wie z.B. im Handel seit Jahrzehnten faktenbeladener Alltag ist, nimmt so auch Einzug ins Tourismusmarketing. Endlich wissen wir, was unsere Gäste tun, welche Angebote und Produkte relevant sind und ob der Wanderbus wirklich zwischen 12 und 15 Uhr kostenproduzierend aber leer seine Kreise durch die Landschaft drehen muss. Italiener mit Kindern nutzen die Therme auch im Sommer und warum gehen tschechische Alleinreisende im August freitags gerne shoppen? All das ist die Basis für eine kunden- & gästerelevante Analyse der Dienstleistungskette in der Destination. Endlich. Basta.

Natürlich gibt es da auch Begleiterscheinungen, die zur Verzögerung des touristischen Kartenglücks beitragen können. 1.) Die zentrale Frage der “Kartenhoheit” innerhalb der Destination (gilt nur für 2-saisonale Orte mit größeren Bergbahnen). 2.) Das Budget, das – strapaziert wie es ist – sowieso nach Luft und mehr Spielraum schreit. Die Erhöhung der Ortstaxe kann (auch) ein Lösungsansatz sein, da m.E. zusätzliche Umlagebeträge (pro Gast/Nacht) nicht alle Beherbergungsstrukturen inkludieren (v.a. die “kleineren”, die aufgrund ihrer limitierten Erlebnisleistung im eigenen Betrieb gerade eine solche Angebotserweiterung benötigen würden). 3.) Die ausstellenden Betriebe (die Ausgabestellen = die Beherberger), die somit ein zusätzliches Paket an “Arbeitsleistung” (die elektronische Gästemeldung und das Ausstellen der Karte) auf ihrer nicht zu knappen To-Do-Tafel stehen haben. Fazit: Viel Stoff für Emotionen. Fortsetzung folgt…




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