Familophil. Eine Urlaubsgeschichte.

// 13. Juni 2011

Day 161 of 365 - Ring BearerJens-Uwe, er wird so um die 40 sein, muss büßen. Aber warum nur? Er scheint der Typ Familienvater zu sein, der im trauten Heim (das in seinem Fall, d.h. dem Dialekt nach zu urteilen, wohl im Schwäbischen liegt) work-life bedingt, nur sehr wenig Zeit mit den Kindern verbringt. Und das wird ihm nun im Urlaub zum Verhängnis. Tapfer, aber auch hilflos versucht er seine zwei kleinen Raubtiere zu bändigen. Der eine, Luca (5) prüft mit dem Bobbycar (das ohne Zweifel nicht mehr so ganz mit seinem stämmigen Körperbau harmoniert) den Hotelgarten auf dessen Renntauglichkeit, was andere Familien nicht uneingeschränkt gut heißen, da er temperamentvoll unterwegs, keine Rücksicht auf kleinere Artgenossen zu nehmen scheint. Ein filigranes, blondes Mädchen (wo sind nur ihre Eltern!) rettet sich mit einem für ihr Alter sehr mutigen Satz gerade noch rechtzeitig vor dem vorbeirasenden “Nachwuchs-Vettel” in die Sandkiste, stolpert dann aber in ihren Mini-Crocs unglücklich und legt mit der süßen “Hello-Kitty-Jacke” stilvoll aber unfreiwillig einen lupenreinen Bauchfleck in die vom letzten Regen noch gut durchnässte Oberfläche. Auch wenn es erst kurz vor 11 Uhr ist, steht eines schon fest. Heute ist nicht Jens-Uwes bester Tag. Noch nichts ahnend, was hinter seinem Rücken eben geschah, kämpft er mit Lucas’ Bruder, Linus (2), an einer ganz anderen, aber keinesfalls langweiligeren Front. Der zarte Pampers-Vliesstoff, der noch vor wenigen Minuten die Haut des Jünglings umhüllte, ist in Zwischenzeit zu einer gefährlichen biochemischen Waffe angeschwollen, was den kleinen Schelm aber nicht davon abhält, sich die braunen Hydrokultur-Kügelchen der Terrassenbepflanzung (die er wohl für Maltesers hält), als Nachmittagssnack einzuverleiben. Jens-Uwe tut mir leid.

Clown Happy im Eibtaler HofEs wird aber noch schlimmer. Und zwar als seine Frau Gesine (doch schon 40+) frisch mani- & pedikürt und schneller laufend, als es die Hotel-Filzpatscherl erlauben möchten, mit einem verbalen, erfrischenden Sommergewitter unmißverständlich feststellt (akustisch nicht nur für alle anderen Hotelgäste sondern den gesamten Pinzgau), wer denn der eigentliche Sündenbock für diese Vormittags-Misere ist. Trotz sicherer Enfternung zu diesem brodelnden, vulkanisch-femininen Epizentrum, gelingt es mir ab sofort nicht mehr, meinen Latte Macchiato gänzlich unbekümmert zu genießen, und so stell ich mir die zugegeben auch etwas philosophische Frage nach dem grundsätzlichen Erholungswert eines Familienurlaubs – oder besser noch: Müssen Eltern fernab der Heimat in der “schönsten Zeit des Jahres” gar mehr leiden, als zuhause?

Familienurlaub an sich ist doch schon ein Paradoxon. Familie (also 2 Erwachsene und mindestens ein Kleinkind) und Urlaub, das will man(n) erst mal unter einen passenden Hut bringen. Im Vergleich zum Single- oder gar romantischen Couple-Holiday, ist das Erlebnispaket im reisenden Generationenverbund sehr konträr. Ich hielt es bis vor kurzem auch nicht für möglich, dass der Speise-Bereich eines 4*-Hotels mit angeschlossener (und wohlgemerkt stylischer) Bar bereits um halb acht abends wie leer gefegt sein kann. Das geht, ich hab es selbst erlebt. Und dann noch diese trägen Körper schlecht motivierter Erziehungsberechtigter, die sich im 36° warmen Babypool zur Belustigung ihrer Knilche und Prinzessinen wie depressive Seerobben suhlen. Bääähhhhhhhhhh. Geh bitte, das kann es doch nicht sein. Aber eben auch mittendrin statt nur dabei, merk ich spätestens in der unterirdischen Hotelgarage, dass mein Schicksal ebenso aus automobiler Sicht besiegelt zu sein scheint. Kein Alfa Romeo weit und breit, niente “Cuore Sportivo”! Und überhaupt ganz wenige Kombis, aber viele Vans und darunter sogar Exoten, deren Existenz wohl fernab des heiligen “Auto-Revue-Kosmos” liegen muss, oder wer kennt hierzulande einen Landwind CV9?

Amiamo Zell am See FamilienhotelGar nicht satirisch sondern wirklich seriös ist mein Hoteltipp für Familien jeglicher Art. Ob auf Reisen noch mit Kind im Bauch, mehreren kleinen Krawall-Machern oder gar schon postmatrimonial im Patchwork-Paket. Das Familotel amiamo (4-Stern) in Zell am See nennt sich übrigens “Boutique-Hotel”, ist v.a. bei den “feinen Dingen des Urlaubs-Daseins” (man könnte auch “Software” sagen) bravo. Und die Hardware überzeugt ebenso. Das Bild nebenan zeigt den Typ Familienstudio “Sonnenschein” (inklusive einer wirklich coolen Zimmer-Schaukel für die Kleinen).

Fazit!? Meine Definition des Familienurlaubs: “Das Transferieren der innerfamiliären Alltagsherausforderungen an einen anderen, fremden Ort, mit der Hoffnung, dass die dort herrschenden Rahmenbedingungen und Annehmlichkeiten zu mehr (v.a. psychischer, aber auch physischer) Erholung aller Angehörigen des reisenden Familienverbunds beitragen mögen”. Im amiamo hat es funktioniert.




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4 Kommentare zu “Familophil. Eine Urlaubsgeschichte.”

  1. gutsyheron sagt:

    ich möchte im web 2.0 style den blogpost mit “lmao” kommentieren.. und eine kleine statistik anfügen:

    “Die Urlaubszeit ist vorbei – die Beziehung auch: Nach einer neuen Studie wird jede zweite Scheidung nach den Ferien eingereicht.”
    http://www.psychotherapie.de/psychotherapie/presse/allegra-011001.htm

  2. Was ist IMAO? Erklär mir das doch! Den zweiten Link hättest dir sparen können, ich bin doch grad mal 2,5 Wochen unter der H…e :-)

  3. LMAO – laughing my ass off (die Übersetzung überlass ich dir ;) ).

    Musste selbst sehr lachen, da ist viel dran. Meine Gäste gehören ja auch in diese Kategorie, und das Nachtleben an der Bar ist wirklich sehr ruhig. Aber wenn man im Urlaub den ganzen Tag mit dem lieben Nachwuchs verbringen muss, ist man am Abend geschafft wie nach einem 14 Stunden Arbeitstag.

    Was die Autos angeht – auch hier: Kombis und Minivans, ab und an mal ein Alfa Sportwagon, noch nie ein Landwind (was ist denn das??), selten man ein Porsche Panamera oder ein CLS, viele SUVs.

    Mein 307CC ist wohl einer der seltenen Fälle eines Coupes am Parkplatz eines Familienhotels – so wie mit deiner Giuletta. Mit Kind fährt familie einen Windelbomber!

    Liebe Grüsse aus BKK, komm mal auf einen Kaffee vorbei,

    Mike

  4. Hallo Mike,

    sehr gut “nach-analysiert”… seh dich eh immer einchecken über Foursquare (@Gartenhotel). Nachdem die Flitterwochen nun ja auch passé sind, komm ich jetzt wirklich mal (real, nicht virtuell) vorbei – ist ja gar nicht so weit ;-)

    LG. Stefan.

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