Google und meine 3 Gegenthesen

// 17. Februar 2011

Screengrabs PortraitAlle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Oder: “Der Gleichheitssatz ius respicit aequitatem, „Das Recht achtet auf Gleichheit“, ist ein Grundsatz im Verfassungsrecht.”, sagt auch Wikipedia. Na dann. Und das gilt natürlich auch für den Tourismusverband, die Klagemauer für all jene Unternehmer, die ihre (manchmal ja nur betriebsspezifischen) Auslastungs- oder Nachfragerückgänge einfach an einer physisch greifbaren Institution festmachen (also beklagen) müssen. Das ist wohl menschlich. Tourismus unterliegt (no-na) globalen Wettbewerbsbedingungen. Internationale Reiseveranstalter und Buchungsplattformen bewegen Millionen Touristen über Kontinente, Grenzen fallen, Reisende sind sehr selbstbewußt und mündig und das “Word-of-Mouth” is sowieso back und digital. Und jetzt festhalten: Google steigt auch noch in den Buchungsmarkt ein, schreibt Thomas Thaler gestern im Webmarketing-Blog. Und bitte wer fragt uns, die Geschäftsführer der lokalen und regionalen Tourismusstrukturen oder besser formuliert – die klassischen “Informations-Gatekeeper” der Destinationen, ob wir das alles so wollen? Niemand, eh klar. Aber – zur Beruhigung der Kollegenschaft – das setzt sich eh alles nicht durch.

Screengrabs PortraitEin Brainstorm-Dinner mit Skikilometer-Hedonist Christoph Cecerle (Eaglepowder) und Marken-Mann Cristian Gemmato (Slogisch) im sanften Talwinkel von St. Oswald ob Bad Kleinkirchheim, brachte meinen spätwinterlichen Gedankenfocus bei Wildschwein und Rehrücken wieder auf dieses so leidige Thema, das ja eigentlich schon mein persönliches “Dilemma-Geschwür” ist. Der scheinbar ewig gültige, old-stylige “Community-Ansatz” vieler lokaler und regionaler Tourismus-Organisationsstrukturen, die im Rahmen der Positionierung der Destinationsmarke immer noch zu schwammig, weil nach dem Gleichheitssatz agierend, herumwurschteln und die PS so eben nicht zu 100% auf den Begehrlichkeits-Boden bringen. Vielerorts zählt dann doch der kleinste gemeinsame Nenner als das vermarktungswürdige Nonplusultra. Und so auch bei uns. Vom Jazz-Brunch auf der bemüht stylischen Skihütte, bis zum Mekka des volkstümlichen Schlagers, dem Musi Open-Air. Viele individuelle Projekte aus den unterschiedlichsten Stakeholder-Interests sollten unter dem Markendach Platz finden. Und solange wir derartig breit-thematisch organisiert sind, kann Markenmanagement in der Destination gar nicht funktionieren. Punkt.

Und nun zurück zu Google. Wenn die in den Reisemarkt einsteigen, wird wohl auch eine Contra-Allianz aus Petra Stolba, Jo Margreiter und Christian Kresse zu wenig Gegenwind für die Damen und Herren aus Kalifornien erzeugen und sie nicht davon abbringen. Okay. Ehrliches, nachhaltiges und effizientes Markenmanagement wird sich so schnell auch nicht wie ein Schneeteppich geschmeidig und flächendeckend über die österreichische Tourismuslandschaft legen.

Was bleibt nun? 3 Schwerpunkte, auf die wir Destinationsmanager uns in Zukunft besser konzentrieren sollten:

  • Regionales Content-Management für geplantes Story-Telling, weil Google diese Daten eben nicht hat. Ätsch. Und das geht sogar ohne 100%ig funktionierendes Markenmanagement. Meiner Meinung nach wird in diesem Zusammenhang videobasiertes Gschichten-Erzählen, das einem geplanten Dramaturgiefaden folgt, eine zentrale Rolle im Kommunikationsmix von Destinationen einnehmen. Nicht nur auf der Destinations-Website, Facebook, YouTube oder Vimeo – am besten, weil immer noch sehr wirksam, mittels einer Art Hotel-TV für alle (!) Beherberger. Denn das wirkt, wenn der Gast vor Ort ist und sein Smartphone nicht dabei hat. Also nahezu flächendeckend oft.
  • Innovations- & Qualitätsmanagement, da davon letztendlich nicht nur Leitbetriebe, sondern auch jene im Qualitäts-Mittelfeld operierenden, eher kleinstrukturierten Betriebe, profitieren. Produkt- & Angebotsentwicklung. Für mich ganz wichtig: Naturrauminszenierung,  Landschaftsdesign sowie Initiativen, die den Kern des touristischen Angebots treffen: Das Gästezimmer, dieses in letzten Jahren aufgrund millionenschwerer Erlebnisinfrastrukturen vernachlässigtes Kernstück jeder Urlaubsreise. I.d.F. konkret “Themenzimmer”, die ein regionales Element (Baum, Stein, Pflanze o.ä.) stilvoll, subtil und durchgängig inszenieren. Ob das Traunsteinzimmer in Gmunden oder das Zirbenzimmer in den Nockbergen – be creative. Denn dafür gibt es dann auch Fördergeld.
  • Aufbau von regionalen Betreiberstrukturen zur Auslastungssteigerung (v.a. in touristisch hoch entwickelten Destinationen mit viel Privatzimmeranteilen, die schleichend aber sicher verschwinden werden). Damit diese ansonsten vielleicht kaum mehr wirtschaftlich genutzte “Bausubstanz” nicht leersteht oder zum Zweitwohnsitz mutiert. Und dabei muss die “Destinations Management Company” (gibt’s das Modell in Kärnten überhaupt?) oder der TVB die Führungsrolle übernehmen und den Prozess gestalten. Gelingt uns das nicht, dann werden diese Strukturen wohl von ausländischen Reiseveranstaltern gepachtet oder gar gekauft und nicht unwahrscheinlich mit Produkten a la Eurotours (Hofer-Reisen) bis zum nahenden Verfall “ausgezuzelt”. Gelingt es aber, dann können wir den Prozess von der Information bis hin zur Buchung wieder aktiver mitgestalten.



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4 Kommentare zu “Google und meine 3 Gegenthesen”

  1. Georg Holzer sagt:

    Jeder Art von “Mehr” im Web erzeugt ein höheres Ausmaß an Transparenz. Das betrifft mehr Such- und Buchungsmöglichkeiten sowie mehr Konkurrenz dabei. Ich hab von Tourismus recht wenig Ahnung, aber mehr Transparenz führt in aller Regel zu steigendem Preisdruck. Wer das jetzt schon weiß, kann vorbauen, wie schwindende Margen kompensiert werden.

  2. Hallo Georg,
    danke für deine Sichtweise – und ganz wichtig – nicht aus der teilweise rosarot schillernden Tourismusbrille. Der Prozess, wie von dir beschrieben, findet ja seit Jahren statt. Parallel dazu kommt m.E. die gesteigerte (internationale) Reiseerfahrung der Gäste (v.a. in den traditionellen Herkunftsmärkten) und das erzeugt auch noch mal Druck (auf Preis & Angebot). Und: Durch Preis- & Distributionspolitik a la Hofer-Reisen (die kaufen in Österreich im Jänner das Zimmer im Hotel um € 11,- ein!) “erziehen” wir unsere Gäste aber sehr stark nach dem “Geiz-ist-geil-Prinzip” und das kann und wird nicht gut ausgehen, da du ja bei “HOFER” mittlerweile auch Top-Betriebe buchen kannst…

  3. Für die Inszenierung von multimedialen Inhalten in Kombination mit Location Based Ansätzen wird http://www.qwiki.com sicher noch eine interessante Rolle spielen. Die digitale Entwicklung beschleunigt nur was sich in anderen Branchen auch schon länger abspielt: Unterscheide dich, glänze mit relevanten Angeboten und Inhalten die sich für eine Weiterempfehlung / Mundpropaganda eignen und positioniere dich als klare Marke.

    Wer das nicht macht wird vermehrt im Einheitsbrei untergehen und dem bleibt auch bisher nur mehr an der Preisschraube zu drehen …

  4. @Markus: Danke für den Linktipp – mit qwiki.com hab ich mich bis dato eh noch nicht beschäftigt.

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