Kärnten 2049. Etwas jenseits der Mindset-Matrix.

// 28. Februar 2012

kurz vor dem Winter des LebensIch bin wieder da! Und dieser Blogpost ist nicht nur die Fortsetzung der “Rebellion im psychosozialen Mindset”. Nein, ich schreite ganz mutig voran. Bin hungrig nach Erfahrung und wage einen schnurstracksgeraden Quantenblick in ferne Realitäten. Kärnten 2049. Die Parallelwelt. Jenseits der Mindset-Matrix. Josef, 89, sitzt auf einer einfachen Bank aus oberflächenbehandeltem Lärchenholz. Traurig und den Kopf tief nach vorne gekippt, wartet er regungslos in der überdachten E-Bus-Haltestelle auf das letzte Nachttaxi, das ihn zurück in die energieautarke Seniorenresidenz bringen wird, wo er seinen Lebensabend in Würde verbringen darf. EU-konforme LED-Leuchtkörper zeichnen eine subtil bizarre, aber sehr urban anmutende Atmosphäre in eine viel zu trockene Kärntner Landnacht. Josef war Maschinenschlosser. Aus Leidenschaft. Als kräftiger Naturbursche entschied er sich schon im frühen Lebensalter für eine Karriere bei den lokalen Bergbahnen, da er sich das Arbeiten in der Stadt, also in mausgrau-dominierten Fertigungshallen, so gar nicht vorstellen konnte. Der Nachtdienst mit den Pistenbullys war hingegen seine ganz große Leidenschaft. Wenn er davon erzählt, dann kommt für einen flüchtig-kurzen Moment das florierende Leben in sein graues, faltiges Gesicht zurück. Die Augen werden lebendig und leuchten. Zeugen einer glücklichen Zeit. Damals, da konnte er mit seiner PS-gewaltigen Maschine ganz eins, ganz er selbst sein, während unten im Tal die fröhlichen Touristen in den Hotels bei manchmal viel zu teurem Rotwein-Cuvée den nächsten Skitag auf perfekt präparierten Pisten herbeisehnten und die Oberflächlichkeit des Wintertourismus postulierten. Aber es waren Männer wie Josef und seine tüchtigen Kollegen, die wie Helden im Dunkel der Nacht einen so wichtigen Dienst an der alpinen Tourismusgesellschaft leisteten. Darüber wurde aber nur selten gesprochen. Kein Platz in den teuren Hochglanzbroschüren der Jahrtausendwende für Geschichten aus der belächelten “zweiten” Reihe. No social, the media.

Kärnten - Lust am LebenEin leises Surren, das akustisch an eine kompakte Elektrozahnbürste erinnert, kündigt das letzte E-Shuttle an. Josef steigt ein. Seine künstlichen Carbon-Lendenwirbel (gefertigt in Bangladesh), die er letzte Weihnachten von SOS-Mitmensch-2.0 gespendet bekommen hat, lassen ihn aufrecht und ganz ohne Schmerzen den umweltfreundlichen Niederflurbus besteigen. Von seinem Smartphone werden Josef in Echtzeit € 2,- Fahrpreis von seiner € 500,- Monats-Mindestpension abgezogen. Berührungslos und komplett green – so soll es sein – zur Halbzeit des 21. Jahrhunderts. Am Donnerstag, den 13. Jänner 2049. 19:23 Uhr. Ein warmer Wind bläst durch die breite Talsohle, die nicht Gott, sondern die Kraft der Ostalpen-Gletscher der letzten Eiszeit formschön gestaltete, dass Herr Mikunda gar vom Garten Eden spricht. Außentemperatur 18°C. Der Winter, zumindest auf Seehöhen bis 1.800 Meter ist ein romantisches Relikt einer Seilbahn-dominierten Vergangenheit – dieser guten alten, kalten Zeit. Der örtliche 72-Loch Golfplatz lockt hingegen mit gänzlich Solar-gespeistem Flutlicht und slowenischem Live-Jazz zur illuminierten Abendrunde. Im leichten Schafwoll-Pulli, eh klar. Mit Alpin-Sushi vom Mirnock-Laxn aus regionseigener Bio-Zucht. Weit und breit kein Schnee. Fortsetzung folgt. Sofern dieser Blogpost die Tourismus-Zensur überlebt.




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4 Kommentare zu “Kärnten 2049. Etwas jenseits der Mindset-Matrix.”

  1. hallo stefan,

    bei den temperaturen der letzten tage mussen wir wahrscheinlich nicht einmal mehr bis zum jahr 2049 warten. denn: wenn’s regnet im feber, wird’s mitn schnee schnell kleber

    LG aus’m recht “flüssigen” holyblood :o)

  2. Bei uns gab es heute Sonne pur! Aber in Dellach im Drautal wurden 22,6°C registriert – a Wahnsinn. Schlecht für die Anfragen betr. Sonnenskilauf – leider. Wird sowieso kein Rekordwinter heuer :-(

  3. Mitch sagt:

    Du kleiner philosophicus du! Aber Kompliment, dass muss einem erst mal einfallen….;-) lg vom Rückweg aus Alto Adige, im Wechselbad zwischen Neuschnee, föhnigem Ahrntal und sonnig-warmem Brunico…und 3 Skitouren in den Beinen!

  4. Na Bravo Mitch! Während du dir die Vorzüge Südtirols reinziehst, mach ich mir hier wirklich Gedanken über die ferne Zukunft unseres Tourismuslandes… nojo ;-)

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