Nachdem uns im letzten Jahr im Rahmen der Premiere des “Kärnten Radmarathon Bad Kleinkirchheim” Petrus oder besser gesagt Frau Holle persönlich die Fahrt über die Nockalmstrasse durch das spontane Verlegen eines weißen Teppichs zunichte gemacht hat, bestand im zweiten Jahr aber große Hoffnung auf die Erstbefahrung. Ein Erlebnisbericht.
Sonntag, 30.5.2010, 8:52 Uhr: Motiviert und frisch rasiert stehe ich mit den anderen 700 Startern neben dem Thermal Römerbad in Bad Kleinkirchheim und warte auf den Startschuss für die 106 Kilometer lange A-Strecke, auf der uns gut 2.150 Höhenmeter den Tag versüßen werden. Ein letzter Blick gen Himmel läßt erahnen, dass dieser Mai nicht als der trockenste der letzten Jahre in die Geschichte eingehen wird.
9:21 Uhr: Erster Anstieg in Richtung “Cima Coppi” am Fuße der 35 km langen Nockalmstrasse. Ich befinde mich bereits im letzten Drittel des Feldes, das sich ob der unterschiedlichen körperlichen Fitness der Teilnehmer immer weiter auseinander zieht. Ein deutscher Reisebus versucht verzweifelt an uns vorbeizufahren, während rüstige Frühpensionisten ahnungslos aus dem Fenster auf uns herabblicken. Behäbig zieht das Blechmonster schließlich an uns vorüber und fügt der normalerweise ausgezeichneten Luftgüte der Nockberge kurzfristigen Schaden zu.
10:12 Uhr: Der Regen wird stärker, trotzdem ist mir heiss. Gleichzeitig schmerzen meine Lendenwirbel – ein vorhersehbarer Zustand, dem ich mittels zeitgerechtem Rückentraining vorbeugen hätte können. Die Füße fühlen sich nicht schlecht an, aber es ist noch weit. Ich schraube mich mit den anderen immer noch motivierten Pedaltretern gleichmäßig über die hartnäckige 12%ige Steigung der Höhenstrasse inmitten dichter Lärchenwälder. Mein letzter Begleiter (eigentlich exklusiv als Domestik angeheuert) ist auch schon weg, die Stimmung aber gut.
10:34 Uhr: Bergwertung Schiestelscharte (2.024 Meter Seehöhe). Ich trotze dem Wind und Regen. Eine gemeine Böe, die über die Passhöhe streift, macht die letzten 200 Meter zum echten Kampf. Ich muss aus dem Sattel. Neben mir höre ich die ersten Schimpfwörter durch den feuchten Sonntagvormittag klingen. Kurz darauf denkt dann der rationale Teil meines Bewußtseins daran umzukehren. Als ich aber vom freundlichen Personal an der Labestation einen Becher heißen Tee erhalte, kehrt Optimismus zurück und ich stürze mich durchnässt bei ca. 4°C und heftigem Wind in die erste 6 km lange Abfahrt in Richtung Karlbad.
11:05 Uhr: Mit jedem Höhenmeter werden die Muskeln doch wieder wärmer. Eine salzige Suppe rinnt mir aus meinem Helm über die Stirn direkt in die Augen. Die ersten Selbstzweifel steigen in mir auf und ich male mir aus, was man an einem Sonntag denn eigentlich so alles machen könnte. Vieles scheint mir eindeutig angenehmer, als sich hier mitten in der Waschküche eines Tiefdruckgebiets in Richtung Eisentalhöhe (2.042 Meter) zu schinden. Den Blick kurz aufgerichtet, merke ich, wie eine Wolkenwand eilig von oben in meine Richtung zieht. Das Rückenproblem meldet sich auch wieder und die ersten Frauen überholen mich. Die Stimmung wird schlechter.
12:00 Uhr: “Tee haben wir leider keinen mehr”, sagt mir ein freundlicher Betreuer des Buffets am höchsten Punkt des Tages. Als Trost reicht er mir aber einen Karton, den ich mir vor dem kommenden Downhill unter mein Regentrikot schiebe. Mittlerweile sind auch meine Schuhe gut getränkt und so rolle ich wie ein zitternder Waschlappen durch zahlreiche Reidn ins Tal, was von der Gefahr abgesehen, die ein paar seitliche Windstöße bringen, eigentlich ganz gut funktioniert. Ich überhole Frauen und Männer, bin aber trotzdem immer am bremsen und zittere teilweise so stark, dass der Geradeauslauf zur Challenge wird.
12:27 Uhr: Irgendwo im Liesertal erwische ich das Hinterrad eines bulligen Steirers, der alleine über die B99 pflügt. Er spendet mir den dringend notwendigen Windschatten, der heute eine feuchte Angelegenheit ist. Obwohl er mir mit seinem “Fahrwasser” mehrfach das Gesicht “peelt”, halte ich sein Hinterrad tapfer bis Seeboden. Der Regen geht, die Stimmung steigt.
13:11 Uhr: Trocken aber ausgelaugt rollen wir als 5-köpfiges Hindernis im Sonntagsverkehr am Nordufer des Millstättersees entlang. Der Held ist aber eine Frau. Eine zähe Italienerin kämpft verbissen gegen Zeit und Wind und spendet den 4 Männern hinter ihr guten Windschatten. Bei der letzten Labestation im Zentrum von Radenthein findet ein Fest statt. Uns registriert aber niemand mehr, was ich bei dem Duft von Würstel und Pommes auch verstehen kann. Der letzte Anstieg hinauf ins Kirchheimer Tal, jetzt verlier ich auch die Italienerin.
13:56 Uhr: Zieleinlauf. Mittlerweile gießt es wieder wie aus Kübeln und alles was aufgetrocknet war, ist schnell wieder nass. Nach 4:54:21 (Netto-Zeit) kehre ich an den Ausgangspunkt des Abenteuers zurück. Gratulation an das Organisationskomitee des RC Feld am See und “Hut ab” vor Traxl Andreas (Team Mooserwirt Ridley St. Anton Am Arlberg), der mit 3:06:39,4 einen neuen Streckenrekord markiert. Götsch Philip holt sich die Bergwertung um den “Nockalmkönig”.
Zum Vormerken: Die 3. Auflage des Kärnten Radmarathons findet am 29. Mai 2011 (bei hoffentlich strahlendem Sonnenschein) statt. Anmeldungen werden schon jetzt unter kontakt@kaernten-radmarathon.at gerne entgegen genommen. Weitere Infos laufend auf http://www.kaernten-radmarathon.at
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