Servus. Srecno. Ciao. Abschied auf Raten. 01.

// 15. Februar 2015

FluchtwegIch und meine Frau wissen es seit Oktober, meine Vorgesetzten und meine MitarbeiterInnen seit 19. Dezember 2014 (erstere mit gut 10 Stunden Informationspolster auf letztere, die zwischen Haupt- und Nachspeise im Rahmen einer trotzdem gelungenen Firmenweihnachtsfeier auf der Eve Alps in den ungeschminkten Genuss der Tatsachen kamen. Sorry noch mal dafür). Die Fakten gibt’s hier noch mal zum Nachlesen: Kleine Zeitung & ORF Kärnten Online.

Aber was ist in Kärnten los? Ein Exodus unter den Regionsgeschäftsführern? Natürlich nicht, auch wenn heuer neben Bad Kleinkirchheim auch die Region Villach-Faakersee-Ossiachersee und der Weissensee eine Frischzellenkur auf der Position der Geschäftsführung durchlaufen werden. Aber nicht nur im Süden – Martin Zeppezauer verläßt nach 10 Jahren als Geschäftsführer die Gasteinertal Tourismus GmbH und wird Tiroler.

Ein guter Zeitpunkt, um ein mögliches “Destinationsmanagement-Dilemma” zu analysieren. Kann es sein, dass die Rolle von Tourismusverbänden, Regions-GmbHs und ihrer GFs in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich neu definiert wurde (von mehr oder weniger modernisierten Tourismus(landes)gesetzen mal abgesehen)?

eierlegende WollmilchsauVom Tourismusverband der 60er, 70er- und 80er-Jahre als noch analoger Zimmervermittler vor Ort, Werbemittelproduzent und -verteiler (v.a. auf Messen mit der zumindest halben Vorstandsmannschaft) über Marketing- & Incomingbüros in der Rolle von Werbe- & Kommunikationsprofis bis hin zu marken- & leitproduktmanagenden DMCs, für die Produkt- & Angebotsentwicklung mehr ist als nur Bündelung bestehender Leistungen zu Gästecards und die ihre Mitglieder (v.a. Beherberger) proaktiv und hoffnungsvoll mittels Qualitätscoaches zu zukunftsfähigen Anbietern formen. Und genau so sieht doch das Anforderungsprofil an die Tourismusorganisationen aus – möglichst viel von all dem oder noch mehr zu erledigen, bei meistens gleichbleibenden Ressourcen und (Personal-)Budgets.

Meine Analyse (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Universalität!):

  1. TVBs und Regionen brauchen, wie die Regionen (Marken) für die sie verantwortlich sind, ein klares und scharfes Profil, denn die eierlegende Wollmilchsau wird man sich nicht überall leisten wollen oder können. D.h. entweder Marketing, Produkt- & Angebotsentwicklung oder moderne Tourist-Info mit Betriebscoaching und internem Fokus. Was m.E. oft fehlt, ist ein klares Verständnis zwischen Gemeinde, TVB, Leitbetrieben und Infrastrukturpartnern (Bergbahnen) wer was in einer Destination zu tun hat. Ein Strategiepapier oder Leitbild beschreibt ja oft auch nur das Ziel, nicht aber wer die Autobahnen dorthin baut und diese bewirtschaftet bzw. Knoten definiert und sich mit jedem fortschreitenden Kilometer mit den anderen vernetzt.
  2. In unserer digitalen Welt, in der neue Kommunikationstechnologien und (soziale) Portale fast schon im Monatsrhythmus grad eben gelernte Marketingwahrheiten in Frage stellen, ist der Gast/Kunde (nebenbei höchst reiseerfahren und flexibel) stetig am Drücker und (ehrlich gesagt) Agenturen, LTO’s und TVBs haben doch eigentlich immer das Gefühl irgendwie “nachzulaufen”. Für das tiefere Suchen nach dieser Erkenntnis empfehle ich den Artikel “Flipper statt Bowling” (aus brandeins, 02/2015).
  3. Basisdemokratische Entscheidungsstrukturen, wie z.B. Vollversammlungen, die im Grunde berechtigt und aus Sicht des Innenmarketings wichtig sind, aber in Zeiten wie unter Punkt 2.) geschildert, nicht mehr zeitgemäß reagieren/steuern können. Vom “agieren” ist man da eh meist weit weg.
  4. Mangelnde Bereitschaft und Konsequenz zur und bei der Umsetzung von Innovationen (im Bereich Produktentwicklung, Kommunikationskultur oder Organisationsstruktur). Hierzu möchte ich aber in meiner Rolle als GF der Bad Kleinkirchheimer Tourismus Marketing auf das m.E. sehr innovative Projekt (das trotz Widerstand ganz brav am Weg zum Leitprodukt ist) hinweisen: “Das wanderbare Kunstprojekt – nock/art” (nockart.at). Geht aber auch nur, wenn der Leidensdruck schön hoch ist oder zumindest eine Hand voll mutige Funktionäre/Obmänner willens sind und man das “Ding” siehe Punkt 3.) intern druchbringt :-)

In diesem Sinne. Ich freu mich auf Kommentare oder Gegendarstellungen.

Teil 02 folgt.




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