Spirowas? Ein Hotelkonzept am Prüfstand.

// 18. November 2012

IchbinjetztmaldaEin neues Hotel in der grünen Mark, das viel verspricht. “Zeit und Raum Zum Atem holen” oder “Das Hotel am Puls von Kultur und Natur”. Eine hoffentlich ernst gemeinte Ansage, denn oberflächlich-schöne und stilistisch gelungene Archtekturkonzepte mit erschreckend wenig Ideen-Tiefgang gibt es doch ausreichend in der Alpen-Hotellerie. Deshalb entscheide ich mich für einen November-Kurztest, nachdem das 4-Sterne Spirodom in Admont (gleich neben dem Benediktinerstift mit dem größten klösterlichen Bibliotheksaal der Welt!) seit kurzem seine Pforten für Ruhesuchende geöffnet hat und noch dazu mit Opening-Rabatten lockt.

Ehrlich gesagt, ich war noch nie in Admont und kenne auch den Nationalpark Gesäuse nur als guten Klang im Ohr. Die Landschaft ist wunderschön, eh klar, wie so oft in den Alpen. Aber das macht noch kein gutes Hotelkonzept. 13 Millionen Investment, eine Kooperation zwischen Mandelbauer AG und dem Stift, lassen hoffen. Zu Unrecht, wie sich bald herausstellt.

Wo ist die Idee? Durch die Namensgebung “Spirodom” vordefiniert und die wohlklingenden Produktclaims im Kopf, wartet man leider vergeblich auf die Vermittlung der zentralen, buchungsentscheidenden Hotelidee, also den Gründungszweck an sich. Denn die Architektur kann es nicht sein. Eher zweckmäßiger Hotelschlauch, der auf der Rückseite des Benediktinerstifts “baulich” in Deckung geht. Mit Ausnahme des Panoramarestaurants, das zwar einen Blick auf das neugotische Juwel freigibt, aber gleichzeitig den lieblosen Charme einer modernen Uni-Kantine versprüht. Ein hoher Raum mit netter Terrasse für die Sommermonate. Niergends ein “spiritueller” Ansatz. Keine Bilder, keine Erläuterung zu den Speisen. Die Spiritualität des Essens. Das wär doch was, oder? Fehlanzeige.

Spirodom AdmontWas damit komplett fehlt, ist ein dominierendes Thema im Hotel zu spüren, z.B. das Stift und seine Geschichte mit einem modernen, klösterlich-spirituellen Konzept ins Haus zu holen, zu integrieren, irgendwie. Es finden sich auch keine Bücher am Zimmer (Bibliothek sowieso nicht), die zum “nachdenken” oder “Atem holen” einladen (Bildband Nationalpark? Nö.). Somit verkommt die Herberge leider zu einer “seelenlosen Staffelei” der Ennstaler Alpenlandschaft.

Die Zimmer sind Marke “Lifestyle” mit schönen großen Naturbildern über dem Doppelbett. Für den Seminargast wirklich okay. Aber auch hier, wo bleiben die Botschaften, die Kommunikation mit dem Gast. Wo bleibt der (subtil eingesetzte) “Spirogedanke”? Es gibt ihn nicht, oder er schlummert noch im Verborgenen. Who knows.

Die Morgenpost detto. Allgemeines, nicht sehr treffsicheres Österreich-Wetter, das regional kaum relevant ist und fast das gesamte A4-Blatt beansprucht. Ein gut gemeinter Ausflugtipp auf die nahe Burg Strechau. Okay. Auch hier hätte ich mehr Inspiration erwartet. Ich vermisse die weltgrößte Klosterbibliothek, die bietet mir nämlich keiner an. Kulturvermittlung war doch auch so eine Idee, oder? Wahrscheinlich weil sie ab Anfang November bis Ende März geschlossen ist. Wo bleibt die Nationalparkphilosophie des nahen Gesäuse (eigentlich ein Asset des Hauses). Für was steht der? Kann ich mir da was ansehen? Gibt es Guiding? Ein Besucherzentrum? Nein. Nichts.

Die Küche ist auf gutem 4-Sterne-Niveau und bemüht sich regional zu sein. Das Frühstücksbuffet ist aber viel zu klein und braver Durchschnitt, außer bei den Apfel- und Birnensäften, da dominiert wirklich gute Bio-Qualität. Und es gibt sogar Traubensaft aus Slowenien.

Mein SeelenauftragFazit: Das Hotel wird es schwer haben, die Nische zu besetzen, die es thematisch bereits “aufgerissen” hat. Der Standort ist sowieso nicht ganz easy. Und ob der herbeigesehnte Ski-WM-Auslastungseffekt mittel- oder langfristig von Schladming bis nach Admont nachhallt, bleibt abzuwarten, eher anzuzweifeln.

Das Spirodom ist ein braves, unaufgeregt designtes Seminarhotel mit Hallenbad und Sauna, dem die Idee fehlt oder zumindest im Rahmen der Umsetzung grob abhanden gekommen ist. 67 Zimmer, die man (zumindest teilweise) sicher bald auch bei “Hofer Reisen” buchen kann, weil es wahrscheinlich notwendig sein wird. Mit “Spiritualität” hat der flache Cubus nahe der Enns etwa so viel gemeinsam, wie die Unternehmensphilosophie der Mandelbauer AG mit dem historisch gewachsenen Werteset der Bendediktiner in der Stiftnachbarschaft.

Was mir positiv in Erinnerung bleibt: Die Hotellobby wurde konsequent und meines Erachtens auch sehr passend mit Frank Sinatra beschallt. Das hat Stil. Und der überlebt hoffentlich.

 




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